Warten auf die Barbaren
von J. M. Coetzee

Gastspiel am Theater Erfurt

Ein kleiner Ort im Grenzdistrikt. Die Hauptfigur, der Magistrat, hat die Verwaltung dort seit jeher loyal und pflichtbewusst geleitet, ohne sich von Gerüchten über die Bedrohung durch die so genannten „Barbaren“ beeinflussen zu lassen. Als jedoch eine Spezialeinheit der Staatspolizei eintrifft, wird er mit einer neuen Realität konfrontiert. Gefangen genommene „Barbaren“ sollen ihrer Verbrechen überführt werden, indem man durch grausame Folter versucht, ihnen ein Geständnis zu entlocken. In einem Akt privater Wiedergutmachung nimmt der Magistrat ein schwer misshandeltes Mädchen bei sich auf. Zwischen den beiden entwickelt sich in der Folge ein zärtliches, doch verhängnisvolles Verhältnis.

In John M. Coetzees Roman (1980) werden die „Anderen“ zu einer diffusen Bedrohung von außen stilisiert und für alles Unheil im Inneren verantwortlich gemacht. Angst und Macht verschränken sich zu einer fatalen Spirale. Wenn gesellschaftliche wie individuelle Werte und Normen erschüttert werden, gerät die menschliche Lebens- und Handlungsgrundlage ins Wanken, und eine Frage drängt sich schmerzhaft in unser Bewusstsein: Was macht das Warten auf die Barbaren mit uns?


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